Der Einkauf ist im Eimer – Plastikmüll als Gratiszugabe im Supermarkt

Unsere Initiative gegen Lebensmittelverschwendung (Äpfel 2. Wahl im Karton + Plastikmüll gratis)
Unsere Initiative gegen Lebensmittelverschwendung - Äpfel 2. Wahl gibt es nur mit überflüssigem Plastikmüll (Verpackung + versteckter Apfelportionierer am unteren Bildrand) (Urheber: Netto Marken-Discount AG & Co. KG)

Die Plastikflut in den Supermärkten geht noch über Verpackungen hinaus. Immer wieder muss ich feststellen, dass man zwar ansatzweise dem allgemeinen Umwelttrend folgt, dem Kunden aber ganz ungeniert völlig überflüssige Plastikdreingaben aufdreht. Hier ein paar Beispiele:

Plastikeimer ohne Ende

Viele von euch haben das sicher schon gesehen und vielleicht auch gekauft: einen Eimer voller Orangen zum Pauschalpreis. Wenn die leckeren Früchte Saison haben und in den deutschen Läden Einzug halten, gibt es zuweilen löblicherweise auch lose Ware im Angebot. Leider bekommt man sie aber nicht gänzlich ohne Plastik, denn die Mitnahme erfolgt in einem Kunststoffeimer, der gleich neben der großen Kiste mit dem Obst steht und angeblich gratis ist.

Vor langer Zeit habe ich einmal bei Äpfeln zugeschlagen. Richtig aufgetürmt hab ich sie, bis nix mehr in den Eimer passte. Und das muss man auch, sonst zahlt man am Ende drauf. Danach war mein Bedarf an Eimern jedoch gedeckt. Als ich später auf ein ähnlich verlockendes Angebot stieß, ging ich zunächst davon aus, dass man den alten zum Abfüllen wiederverwenden kann. Laut den Mitarbeitern in meiner Filiale ist dies aber nicht möglich, auch wenn es sich um ein offensichtlich identisches Gefäß handelt. Also lasse ich seitdem die Finger davon. Wer will sich schon ein ganzes Lager an Plastikeimern in die Wohnung stellen?

Auch Putzmittel gab es schon des Öfteren in Eimern, das passt wenigstens noch einigermaßen zusammen. Äußerst fragwürdig fand ich allerdings eine von Netto angepriesene Kombination von bereits abgepackten Kartoffeln und Zwiebeln mit einem Gratis-Eimer für 5 Euro (siehe Werbeprospekt – Seite 3). Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, alles im Vorfeld einzutüten, gibt es noch mehr Plastik obendrauf! Übrigens: Ganz gratis ist der Eimer ohnehin nicht. Wer die Lebensmittel zusammenrechnet, wird feststellen, dass er ohne das Behältnis weniger zahlt (2×1,89 Euro für die Kartoffeln plus 0,73 Euro für die Zwiebeln ergibt 4,51 Euro). Solche Aktionen gibt es nicht nur mit Eimern, sondern auch mit Körben – natürlich aus Plastik.

Der Teufel steckt manchmal im Detail

Der Netto Marken-Discount hat sich wie andere Supermarktketten auch Umweltschutz und Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Allerdings merkt man bei genauerem Hinsehen, dass es doch meist nur Werbeslogans sind, mit denen immer wieder Schindluder getrieben wird. 2020 verkaufte Netto z. B. 5-kg-Kartons mit Äpfeln zweiter Wahl aus deutschem Anbau. Damit wurde eine Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung unterstützt. Ich befürworte solche Aktionen und habe deswegen zugegriffen, auch wenn mir die Plastikumhüllung der Kiste missfiel. Zu Hause fand ich im Karton dann auch noch einen vollkommen überflüssigen Apfelportionierer.

Diese Gratiszugabe wurde nirgends erwähnt bzw. beworben, weder im Prospekt noch am Regal oder auf dem Karton. Für mich erweckt das den Anschein, als wolle man dem Kunden überflüssige Artikel aufdrücken, um sie nicht selbst entsorgen zu müssen. Hätte ich diesen Pferdefuß schon im Laden erkannt, dann hätte ich die Äpfel stehen lassen, denn ich verfüge über ein viel geeigneteres Gerät zum Portionieren von Äpfeln, das sich Messer nennt. Man mag es kaum glauben, aber dieses Werkzeug ist nicht nur zum Äpfelschneiden, sondern auch noch für viele andere Zwecke einsetzbar. Außerdem verursacht es weniger Verschnitt und damit auch weniger Lebensmittelverschwendung.

Unsere Initiative gegen Lebensmittelverschwendung (Äpfel 2. Wahl im Karton + Plastikmüll gratis)
Unsere Initiative gegen Lebensmittelverschwendung – Äpfel 2. Wahl gibt es nur mit überflüssigem Plastikmüll (Verpackung + versteckter Apfelportionierer am unteren Bildrand) (Urheber: Netto Marken-Discount AG & Co. KG)

Während ich Produkte mit offensichtlich erkennbaren „Unnütz-Geschenken“ einfach liegen lassen kann, sind versteckte Zugaben ganz schön dreist. Man kann sich nicht dagegen wehren und hat zu Hause dann das Nachsehen. Einen neuen, funktionsfähigen Gegenstand – ob das nun ein Eimer oder ein Küchenutensil ist – einfach wegzuwerfen, ist für mich keine Option. Andere haben da vielleicht weniger Skrupel und nach der Schnäppchenjagd landet jede Menge ungewünschter Zusatzware einfach im Müll. Als ob die Müllberge nicht schon groß genug wären.

Hier muss ein generelles Umdenken stattfinden. Wer mit Nachhaltigkeit wirbt, sollte sie auch leben und nicht den guten Ansatz durch gedankenlose Gratiszugaben wieder zunichte machen. Und anstatt immer wieder neue Eimer und Körbe unter die Kunden zu werfen, würde ich mir mehr Möglichkeiten wünschen, mitgebrachte Behälter benutzen zu dürfen. Gerade solche Nachhaltigkeit sollte eigentlich mit Rabatten belohnt werden, nicht die Verschwendung von Ressourcen.

Weiterführende Links

(Plastik-)Freiheit für Obst und Gemüse!

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