Gendersprache – Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den folgenden Artikel und fragen Sie Ihre*n verzweifelte_n Deutschlehrer:in

Dud:in - Das große Fremdwörterbuch Säntliche Wörter mit Gender-Gap, -Sternchen, -Doppelpunkt und Binnen-I
Das neue große Gender-Fremdwörterbuch von Dud:in (Original: Duden - Das große Fremdwörterbuch Urheber: Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 2003, Nachbearbeitung: GehtSoGarNicht)

Gender-Hinweis:
Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel (und in unserem Blog im Allgemeinen) das generische Maskulinum verwendet. Die verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.

Die meisten Leser assoziieren mit dem Titel des Artikels sicherlich die Medikamentenwerbung im Fernsehen. Schließlich hören wir den berühmten Satz bereits seit 1990 und er ist uns mittlerweile geläufig, sodass wir kaum darüber nachdenken. In diesem Beitrag soll es jedoch nicht um Arzneimittel gehen, sondern um das Thema der geschlechterneutralen Sprache. Bei der Entwicklung des Satzes „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ ging es hauptsächlich um die Erwähnung der drei Informationsquellen und um die schnelle Eingängigkeit. Dazu musste der Text kurz und prägnant sein, also wählte man damals für die Berufsbezeichnungen das übliche generische Maskulinum. Dieses soll zwar neutral stellvertretend für alle möglichen Geschlechter stehen, ist aber zu Zeiten der Genderdebatten nicht mehr zeitgemäß.

Dud:in - Das große Fremdwörterbuch Säntliche Wörter mit Gender-Gap, -Sternchen, -Doppelpunkt und Binnen-I
Das neue große Gender-Fremdwörterbuch von Dud:in (Original: Duden – Das große Fremdwörterbuch Urheber: Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 2003, Nachbearbeitung: GehtSoGarNicht)

Eine Veränderung musste also her und diese sorgt aktuell (2023) für Wirbel. Die neue Formulierung soll fortan lauten: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder fragen Sie in Ihrer Apotheke.“ Zum einen hat man den eingängigen Satz damit unnötig verkompliziert und durch die unglückliche Wiederholung von „fragen Sie“ auch noch sprachlich verhunzt. Zum anderen ist die übermittelte Botschaft falsch, da man nicht jede x-beliebige Person in einer Apotheke fragen, sondern sich an einen Apotheker oder eine Apothekerin wenden muss. Nicht zu Unrecht beschwert sich diese Berufsgruppe nun über die Neuerung, weil sie sich benachteiligt fühlt und gesetzliche Vorgaben verletzt sieht. Und als ob das noch nicht genug wäre, hat man glattweg die nichtbinären Geschlechtsidentitäten vergessen, sodass wohl in nicht allzu ferner Zukunft erneut nachgebessert werden muss, wenn man das eigentliche Ziel, die Geschlechtsneutralität, wirklich erreichen will.

Das ist mal wieder ein absoluter Schnellschuss, der gehörig nach hinten losging. Grund genug, um sich einmal intensiver mit gendergerechter oder geschlechtsneutraler Sprache zu befassen.

Gleichberechtigung und Gleichbehandlung – ja, bitte!

Grundlegend halte ich die anhaltende Diskussion um das Thema Gleichberechtigung und Gleichbehandlung für sehr wichtig. Denn Deutschland ist (wie viele andere Länder auch) in mehrerlei Hinsicht immer noch ein Patriarchat. Besonders deutlich wird das in den Gehaltsunterschieden. Lt. Statistischem Bundesamt verdienten Frauen im Jahr 2022 durchschnittlich 18 % weniger als Männer. Damit liegen wir im europäischen Vergleich ziemlich weit hinten. Die aktuellen Daten dazu können bei „eurostat“ abgerufen werden.

Die Gleichstellung bedeutet aber heutzutage viel mehr als Gleichbehandlung in allen Lebenslagen oder gleiche Bezahlung. Außerdem geht es schon lange nicht mehr nur um die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Seit 2018 gibt es die Möglichkeit, ein drittes biologisches Geschlecht (divers) im Geburtenregister eintragen zu lassen. Gängig geworden ist mittlerweile deshalb auch die Bezeichnung m/w/d in Stellenanzeigen. Das alles ist für mich vollkommen nachvollziehbar, da es sowohl Menschen mit parallelen oder unbestimmten Geschlechtsanlagen gibt als auch Personen, die sich nicht anhand ihres biologischen Geschlechts als rein männlich oder weiblich einordnen lassen wollen. Sehr kompliziert wird es allerdings, wenn man das soziale Geschlecht (das Gender) einbezieht. Hier gibt es inzwischen die unterschiedlichsten Abstufungen, damit jedes Individuum für die eigene geschlechtliche Wahrnehmung eine eindeutige Zuordnung finden kann. Insgesamt sind aktuell mindestens 60 solcher Gender bekannt, Tendenz steigend.

Für Außenstehende sind die sehr feinen Abstufungen teilweise nur schwer zu verstehen und selbst die Betroffenen müssen sich wahrscheinlich erst einmal umfangreich belesen oder beraten lassen, um in dem Wust an Möglichkeiten durchzusehen. So kann sich eine transsexuelle Person, die z. B. biologisch männlich ist, sich selbst aber als Frau fühlt, als Mann zu Frau (MzF), transweiblich, Transfrau, trans*-weiblich, Trans*-Frau, transfeminin, transgender-weiblich, Transgender-Frau, weiblich-transsexuell, transsexuelle Frau oder vielleicht lieber als Transmensch, Trans*-Mensch, Transgender-Mensch oder transsexuelle Person verorten. Für transsexuelle Männer gilt natürlich dasselbe, denn wir wollen und werden niemanden benachteiligen.

Eine korrekte gendergerechte Anrede ist schwer

Wie spricht man aber eine nichtbinäre Person korrekt an? Wer in offiziellen Schreiben einfach aus Vermutung heraus die Anrede Frau oder Herr oder ein falsches Pronomen verwendet, läuft Gefahr, wegen Diskriminierung belangt zu werden. Allerdings gibt es auch keine spezielle vorgegebene Anrede. Hier hilft also meist nur eine Nachfrage bei der betreffenden Person weiter. Im Zweifelsfall lässt man das vorgesetzte Frau/Herr komplett wegfallen und verwendet bei Endungen von Adjektiven ein Genderzeichen. Dabei entstehen dann zwar unschöne, aber wenigstens rechtlich einwandfreie Anreden wie „Sehr geehrt* Klaus Müller“, „Lieb*e Elke Lehmann“ oder das bekannte „Liebe Studierx, Lehrx und Professx“, das 2014 durch die Medien ging.

Schon diese Anreden in Briefen sind Außenstehenden schwer bis gar nicht verständlich zu machen, wirken Sie doch eher so, als ob der Schreibende auf der Tastatur ausgerutscht ist. Aber man kann sie wenigstens noch ausblenden und als notwendiges Übel hinnehmen. Schwieriger wird es bei Ansprachen in mündlicher Form, denn die oben genannten Sätze lassen sich nur sehr schwer artikulieren und sorgen beim Zuhörer für Unverständnis und Kopfschütteln, wenn nicht gar für Ohrenbluten.

Es ist schier unmöglich, alle Gender einzeln anzusprechen, denn dann käme der eigentliche Sinn der Botschaft erst nach Minuten und die meisten Leser-, Zuhörer- oder Zuschauer*innen hätten bereits geistig abgeschaltet. Um dies zu umgehen, spricht man heute z. B. von Studierenden und Zuhörenden. Das ist grammatikalisch nicht verkehrt, klingt jedoch etwas gestelzt. Es ist aber zumindest eine Variante, die die Augen und Ohren nicht überfordert und den Text nicht zu sehr aufbläht. Ebenfalls üblich ist das Einfügen einer Sprechpause vor der angehängten weiblichen Endung als Ersatz für das Genderzeichen. Gerade beim freien Sprechen muss man aber höllisch aufpassen, nichts zu vergessen und die „-innen“ auch richtig zu gebrauchen. Sonst entstehen peinliche Patzer (wie hier bei Annalena Baerbock).

Lieber verkomplizierte Texte als das einfache generische Maskulinum?

Noch komplizierter ist die korrekte Benennung von Personengruppen innerhalb von längeren Texten, z. B. bei öffentlichen Reden, in Fernsehsendungen, aber auch in Sachbüchern, in denen diese vielleicht sogar sehr häufig wiederholt werden. Wie einfach war hier das sogenannte generische Maskulinum. Es sorgte für leicht verständliche und flüssige Formulierungen und trotzdem war jedem klar, dass mit dem Begriff Schüler alle Geschlechter gleichermaßen gemeint waren. Parallel gab es übrigens auch seit jeher schon generische Feminina wie z. B. die Koryphäe, Lehrkraft, Wache oder ganz allgemein Person, über die es auch heute noch wenige Beschwerden gibt.

Schon die parallele Ansprache von Männern und Frauen sorgt für verunstaltete Texte durch unnötig lange und komplizierte Sätze, wie der geplante neue Nebenwirkungshinweis beweist. Besonders schrecklich sieht das aus, wenn mehrere verschiedene Berufs-/Personengruppen erwähnt oder Artikel und Adjektive ebenfalls gedoppelt werden. Ein Beispiel: „Unter den Bewerbern und Bewerberinnen auf die Stelle befanden sich auch zahlreiche Berufsanfänger und -anfängerinnen sowie Quereinsteiger und -einsteigerinnen aus den unterschiedlichsten Branchen. Aus dieser Menge eine neue freie Mitarbeiterin/einen neuen freien Mitarbeiter (alternativ: ein/e neue/n freie/n Mitarbeiter/in) auszuwählen, fiel unseren Personalern und Personalerinnen entsprechend schwer.“

Selbst mit englischsprachigen Berufsbezeichnungen ist man nicht aus dem Schneider. Im Englischen spricht man in beiden Geschlechtern vom Tattoo Artist, dem Consultant, dem Coach oder dem Singer/Songwriter. Im Deutschen wird aber das -in auf Krampf auch an diese Wörter angehängt, sodass abstruse Wortschöpfungen wie die Tattoo Artistin, die Consultantin, die Coachin oder die Singerin/Songwriterin (oder doch Singer/Songwriterin?) entstehen.

Es geht noch schlimmer

Wenn man wirklich alle berücksichtigen will, sollte man aber besser noch Gender-Gaps (Consultant_innen) oder Gender-Sternchen (Tattoo Artist*innen) verwenden, wobei das Sonderzeichen die nicht erwähnten Gender repräsentiert. Dazu gibt es noch Varianten mit großem Binnen-I (MitarbeiterInnen) und dem sogenannten Mediopunkt (Lehrer·innen). Auch eine Schreibweise mit Gender-Doppelpunkt (Coach:in) taucht in letzter Zeit immer häufiger auf. Einheitliche normierte Vorgaben für eine geschlechtsneutrale Sprech- und Schreibweise existieren bisher (noch) nicht, also muss man sich als Leser*in/Zuhörer*in/Zuschauer*in von Text zu Text umgewöhnen.

Um niemanden zu diskriminieren, wurden schon die absurdesten Varianten ausprobiert. So gab es beispielsweise Anleitungen oder Sachbücher, in denen alle Bezeichnungen nur in der weiblichen Schreibweise auftauchten. Dies sollte wohl ein Ausgleich für das jahrelang verwendete generische Maskulinum sein. Leider bedeutet eine explizite weibliche Benennung eine Abweichung von der Neutralität und damit einen Ausschluss aller männlichen und diversen Leser. Andere Verlage wechselten abschnittsweise zwischen der männlichen und der weiblichen Form, was aber dem Lesefluss ebenfalls nicht zuträglich war. Einige Beispiele finden sich im Wikipedia-Artikel zum generischen Femininum im Abschnitt Anwendungsbeispiele. Besonders abstrus ist hier die Klagenfurter Vereinheitlichung aller Amtsbezeichnungen in die weibliche Form von 2016, die dazu führte, dass Reinhard Schinner nicht mehr als Parteiobmann, sondern fortan als Parteiobfrau seinen Dienst tat.

Kritiker der Gendersprache gibt es nicht wenige. Jürgen von der Lippe beispielsweise veranschaulicht immer wieder, wie sehr das Gendern unsere Sprache verkompliziert. Er ist auch ein gern gesehener Gast bei Talkrunden zu eben diesem Thema. Ich bin seiner Meinung, dass mit dem absichtlichen Verhunzen der Sprache endlich Schluss sein muss. Nach anfänglichen sinnvollen Ergänzungen macht man jetzt auch vor den eigentümlichsten Wortschöpfungen nicht mehr halt.

Gendern auf Biegen oder Brechen, selbst gegen alle Sprachregeln

Aktuell werden auch schon die Bestandteile von zusammengesetzten Wörtern gegendert, was sprachlich völlig unmöglich ist. So kann man zum Beispiel heutzutage auch in Nachbarinnenschaften oder gar Nachbar*innenschaften zusammenleben. Wahrscheinlich geht der Patient auch schon zum Ärzt*innenbesuch. Freche Schüler*innen müssen sich im Lehrer*innenzimmer melden. Und wenn es Rechtsprobleme zu klären gibt, werden dann Anwält*innenkosten statt Anwaltskosten zu begleichen sein. Nehmen wir als weiteres Beispiel die 2020 in den Duden aufgenommene Gästin (weiblicher Gast). Gibt es evtl. bald Gäst*innenprofessuren oder gar Gäst*innenredner*innen? Ich warte schon darauf, im Hotel mit dem Satz begrüßt zu werden: „Seien Sie unsere Gästin und hinterlassen Sie bei der Abreise bitte einen Eintrag in unserem frisch gegenderten Gäst*innenbuch.“

Der Genderwahn treibt auch noch andere Blüten. So manch einer neigt inzwischen dazu, nicht nur männliche, sondern auch sächliche oder bereits weibliche Substantive mit einem zusätzlichen -in zu versehen, wenn sie Personen bezeichnen. Wach*innen, Person*innen, Mitglied*innen/Mitglieder*innen oder Arschloch*innen/Arschlöch*innen sind der Gipfel der Sprachvergewaltigung. Apropos. Wie verhält es sich überhaupt mit Schimpfwörtern? Hier ist zwar keiner besonders scharf auf Gleichberechtigung, aber konsequenterweise müsste man auch von Schwachköpf*innen, Vollhorst*innen, Hornochs*innen/-öchs*innen, Abschaum*innen, Nazi*innen oder gar Blödmänn*innen sprechen. Aber wenn einmal alle männlichen Schimpfwörter für alle Gender angepasst sind, wären die weiblichen Schimpfwörter in der Überzahl, was auch wieder diskriminierend wäre. Also müsste es dann auch Zimtzicker, Schlamper, Dumpfbacker, Nervensäger und Schnarchnaser geben.

Interessanterweise gibt es in der Bibel übrigens auch die Männin als Bezeichnung für die Frau in ihrer Eigenschaft als Partnerin und Gefährtin des Mannes. Es gibt wohl kein Wort, dass frauenverachtender ist und das veraltete patriarchalische Rollenbild besser widerspiegelt. Bei der heutigen gedankenlosen -in-nisierung könnte das Wort trotzdem bald eine Renaissance erleben, allerdings mit Gender-Sternchen.

Quo vadis?

Kommen wir zurück zu unserem neuen Nebenwirkungshinweis. Ob es nun wirklich in Zukunft „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder fragen Sie in Ihrer Apotheke.“ heißt oder vielleicht eine noch längere Lösung zusammengebastelt wird, weil sowohl Apotheker und Apothekerinnen als auch die ca. 60 anderen Gender bei beiden Berufsbezeichnungen Erwähnung finden müssen, sei mal dahingestellt. Zumindest wirft dieser blinde Aktionismus die Frage auf, was nach bekannten Slogans als Nächstes dem Genderwahn zum Opfer fällt.

Werden irgendwann auch Songtexte, Filme oder literarische Werke umgeschrieben oder Filme nachvertont, damit niemand mehr benachteiligt wird? Wer will noch als Synchronsprecher*in arbeiten, wenn doppelt so lange Sätze in der gleichen Zeit artikuliert werden müssen oder man sich an abstrusen Wörtern fast die Zunge bricht? „Brothers In Arms“ geht z. B. überhaupt nicht mehr, daraus wird dann „Brothers And Sisters And (wie heißt eigentlich die Entsprechung für Geschwister des dritten Geschlechts) In Arms“. „Der Herr der Ringe“ ist auch überholt. Hier muss zumindest ein weibliches Gegenstück her. Um den männlichen Ring zu vermeiden, empfehle ich „Die Herrin der Ketten“ (klingt mehr nach SM als nach einem Kinderbuch, aber was tut man nicht für die Gleichstellung). Gendergerecht müsste Kindern zukünftig das bekannte Märchen „Schneewittchen und die neun Zwerg*innen“ (neun, um eine korrekte Aufteilung auf 3 männliche, 3 weibliche und 3 diverse Zwerge zu gewährleisten) vorgelesen werden.

Vielleicht sollten wir dazu übergehen, alles in drei verschiedenen Varianten zu produzieren: für Männer, für Frauen und für nichtbinäre Geschlechtsidentitäten. Was ist mit all den Geräten, die männliche Namen tragen? Werden bald Fernseher*innen, Computer*innen, Toaster*innen und andere Automat*innen in den Läden zu finden sein? Das sollte eigentlich ein besonders abstruses selbst ausgedachtes Beispiel werden. Wie im unter den Quellen verlinkten Artikel von Focus Online zu sehen, wurden aber von der Humboldt-Universität in Berlin bereits 2014 tatsächlich schon geschlechtsneutrale Bezeichnungen für Objekte wie Computa und Türöffna vorgeschlagen.

Fazit

Je mehr man bei der Wortwahl darauf achtet, immer alle Gender zu berücksichtigen, umso mehr hebt man die Unterschiede zwischen diesen hervor. Sollte nicht eigentlich eine Gleichbehandlung aller Menschen das Ziel sein? Wie kann man diese jemals mit der Betonung der Unterschiede und damit einer immer tieferen Abtrennung erreichen? Wohin die Rassensegregation in den USA geführt hat, hat die Geschichte ja deutlich gezeigt. Einen Zustand der völligen Gleichbehandlung aller Gender erreicht man auch nicht dadurch, dass fortan Männer als angeblich ausgleichende Gerechtigkeit sprachlich und gesellschaftlich diskriminiert werden.

Es gibt wichtigere Dinge als das zwanghafte exzessive Gendern, bei dem immer wieder Ausnahmen bleiben werden, die auch weiterhin für Zündstoff sorgen. Gerade in der Schriftsprache sollte das generische Maskulinum oder Femininum, wie es seit Jahrhunderten in Verwendung ist, weiter benutzt werden. Um Missverständnisse zu vermeiden, reicht meiner Meinung nach ein Genderhinweis (oder Gender-Disclaimer), ein kurzer vorgestellter Absatz, in dem man klarstellt, dass mit der neutralen Bezeichnung alle Gender gleichermaßen gemeint sind. Am Anfang dieses Artikels findet sich ein Beispiel dafür.

Viel mehr Augenmerk als auf explizite Erwähnung sollte auf gleiches Ansehen, gleiche Entlohnung und gleiche Bildungsmöglichkeiten aller Menschen gelegt werden. Wichtig wäre auch über den Tellerrand hinauszublicken: Menschen werden nicht nur wegen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder ihrer Religion benachteiligt, sondern auch wegen ihres Alters, ihrer Krankheiten oder körperlicher oder geistiger Behinderungen. An vielen Stellen in der Gesellschaft werden Bürger von Angeboten wie Bildung, Transport etc. ausgeschlossen, weil ihnen die pekuniären Mittel fehlen. Erst wenn diese großen Probleme alle gelöst sind, kann man sich um Kleinigkeiten wie angeblich diskriminierende Begriffe in der Sprache kümmern. Das Steuergeld, das für die Umarbeitung der Nebenwirkungshinweise verschwendet wurde, wäre an so vielen anderen Gleichberechtigungsbaustellen wirklich besser angelegt gewesen.

Quellen

Pharmazeutische Zeitung – Artikel zur Geschichte von »Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker«
Apotheke Adhoc – Artikel zum neuen vorgeschlagenen, geschlechtsneutralen Pflichttext
Bundesregierung – Meldung zur Änderung des Personenstandsgesetzes betreffs der Aufnahme der dritten Geschlechtsoption
Sekretaria – Das dritte Geschlecht in der Korrespondenz: Wie sprechen Sie Intersexuelle an?
Die Welt – Artikel zu Professx und anderen Vorschlägen zur geschlechtsneutralen Sprache
WirtschaftsWoche – Kolumne „Werner knallhart“: „Der Gender-* diskriminiert alle Gender“
Fachstelle Gender & Diversität NRW – Geschlechtergerechte Sprache
Deutsche Bibel Gesellschaft – Auszug aus der Lutherbibel zur Männin
RollingStone Germany – Artikel „Falsches Deutsch“: Jürgen von der Lippe lehnt Gendern ab
YouTube – Jürgen von der Lippe erklärt den sprachlichen Genderwahn (bei Lanz)
Focus Online – Vorschläge der Humboldt-Universität wie Computa, Studierx, m@n und andere Absurditäten

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