Mülltrennung – Chaos statt Logik

Gelbe Säcke
Urheber: Hanne Hasu, Quelle: Pixabay

Allein im Jahr 2016 wurden lt. Statistischem Bundesamt in Deutschland 411,5 Millionen Tonnen Müll brutto produziert. Das ist absoluter Rekord! Brutto bedeutet, dass auch die zuvor schon in anderen Entsorgunganlagen behandelten sowie die exportierten Abfälle mit eingerechnet sind. Der Müll besteht zum überwiegenden Teil aus Bau-, Abbruch-, Gewerbe- und Bergbauabfällen. Siedlungsabfälle, in die auch unser Hausmüll und Verpackungen fallen, sind in der Grafik blau dargestellt. In diesem Artikel soll es nur um die Letzteren gehen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Wenn es darum geht, den Müll zu entsorgen, steht man vor der Aufgabe, alles richtig in die entsprechenden Behälter zu verteilen. So mancher Bürger scheint damit überfordert zu sein, kein Wunder, denn das komplizierte deutsche Mülltrennungssystem ist unlogisch und schwer zu verstehen. Das beginnt schon mit der Tatsache, dass es keinen einheitlichen Standard gibt. So existieren z. B. nicht überall Biotonnen und es gibt regionale Unterschiede, was die Trennung von Wertstoffen und Restmüll betrifft.
Der Gelbe Sack sorgt immer wieder für Verwirrung, weil hier im Gegensatz zu den anderen Wertstoffen nur Verpackungen hineingehören und man somit an sich gleiche Stoffe wie Kunststoff, Styropor und Metall auf zwei unterschiedlichen Wegen entsorgen muss.
Ein weiteres Problem, das für häufige Fehleinwürfe auch in den Blauen Tonnen sorgt, sind Verbundstoffe, Beschichtungen u. Ä., die man als Endverbraucher teilweise nur schwer erkennen kann. Pappkartons bestehen z. B. nicht immer nur aus Pappe, Geschenkpapier nicht immer nur aus Papier.
Falsche Mülltrennung aus Unwissenheit oder aus falsch verstandenem Umweltbewusstsein (so wenig wie möglich Restmüll, so viel wie möglich recyceln) ist bei diesem Chaos durchaus verständlich. Aber leider gibt es auch noch diejenigen Mitbürger, die wissentlich ihren Restmüll, Bauschutt o. Ä. in der Gelben Tonne des Wohngebiets entsorgen, um Geld zu sparen.

Folgen falscher Mülltrennung

Das Duale System Deutschland (DSD) ist für die Hersteller und Vertreiber von Verpackungen kostenpflichtig, um die vorgesehene Rücknahme und Verwertung zu finanzieren. Diese Kosten werden über den Preis an den Kunden weitergegeben. Werfen wir also unseren mit Grünem Punkt gekennzeichneten Joghurtbecher in den Restmüll, haben wir für seine Wiederverwertung bezahlt, obwohl er am Ende in der Verbrennungsanlage oder auf der Deponie landet. Davon profitiert allein das DSD.
Die Leerung der Wertstoffbehälter erfolgt in regelmäßigen Abständen. Der Preis dafür ist immer gleich, ob der Container voll ist oder nicht. Der Entsorger freut sich über diese sogenannten „schönen Touren“ mit wenig Ladung und maximalem Gewinn. Auch diese haben wir finanziert.
Umgekehrt werden nur die Abfälle zurückgenommen, für die der Hersteller gezahlt hat – also Verpackungen. Die Müllabfuhr lässt deshalb immer wieder Säcke mit falschem Inhalt stehen. Dies ist schon bei Einzelhaushalten ärgerlich, noch schlimmer ist es aber, wenn von mehreren Haushalten genutzte Gelbe Tonnen betroffen sind. Dann muss wegen einzelnen Missetätern der ganze Müll ordentlich sortiert und eine neue Abholung beauftragt werden, die natürlich extra kostet. Größere und wiederholte Fehlbefüllungen ziehen sogar Bußgelder bis zu 5.000 Euro (siehe Bußgeldkatalog 2019) nach sich. Da sich in Wohnanlagen der direkte Verursacher nicht ohne Weiteres ermitteln lässt, werden solche anfallenden Zusatzkosten gleichermaßen auf alle Mieter verteilt. Das böse Erwachen kommt dann meist in Form einer deutlichen Nachzahlung bei der nächsten Nebenkostenabrechnung.

Was gehört in welche Tonne?
Gelbe Säcke
Gelbe Säcke (Urheber: Hanne Hasu, Quelle: Pixabay)

Was letztendlich in den Gelben Sack bzw. die Gelbe Tonne gehört, kann man in der Trennhilfe des Grünen Punkts nachlesen. Übrigens: Auch wenn sich auf der Verpackung kein Grüner Punkt befindet, darf sie getrost in den Gelben Sack. Es gibt inzwischen noch andere Unternehmen, die sich auf Recycling spezialisiert haben, wie z. B. Veolia. Es empfiehlt sich aber, Deckel vom Rest der Verpackung zu lösen, Sichtfenster zu entfernen usw. Das macht es in der Sortieranlage einfacher, die Stoffe richtig zu trennen.
Alles, was in den Rohstoffkreislauf zurück geht, sollte möglichst „sortenrein“ sein. Fremdstoffe können eine ganze Ladung verunreinigen und die Wiederverwertung erschweren oder gar unmöglich machen. So sorgen braune Flaschen im Weißglascontainer dafür, dass das Glas nach dem Einschmelzen einen Braunstich bekommt. Übrigens: Eine Ausnahme bildet der Grünglasbehälter. Hier dürfen alle Farben außer Weiß und Braun hinein. Draht-, Spiegel- und Fensterglas, Leuchtstoffröhren sowie Brillengläser gehören dagegen gar nicht in den Glascontainer.
Ebenso gibt es bei der Blauen Tonne einige Besonderheiten. Die eingangs schon erwähnten beschichteten Materialien oder Verbundstoffe haben hier nichts zu suchen. Hochglanzbroschüren, Fotos, Haftnotizzettel und Tapeten, aber auch Kassenbons, Parkscheine und Konzertkarten gehören wegen der Beschichtung oder der bei der Herstellung verwendeten Chemikalien nicht in den Papiermüll. Kohle-, Blau-, Pergament- und Hygienepapier sind ebenfalls trotz des „Papiers“ im Namen ein Fall für den Restmüll.

Gefährliche Abfälle sollten unbedingt richtig entsorgt werden. Im Haushalt können das Farben und Lacke sein, aber auch Medikamente sind mit Vorsicht zu behandeln. Diese Dinge gehören auf keinen Fall in die Toilette oder in die Spüle! Bedenkliche Stoffe gelangen sonst ins Grundwasser und damit am Ende auch in den Nahrungskreislauf zurück. Auch wenn Deutschland über sehr gute Wasseraufbereitungsanlagen verfügt, so können diese doch nicht alle Partikel ausfiltern.
Grundsätzlich gilt: Flüssigkeiten gehören in den Sondermüll. Dieser kann am Schadstoffmobil abgegeben werden, das mindestens einmal im Jahr auch in ländlichen Gebieten halt macht. Fahrtrouten finden sich in Abfallkalendern, im Internet oder direkt bei den Kommunen. Eingetrocknete Farben und auch Tabletten dürfen mancherorts in den Hausmüll. Voraussetzung ist, dass sich die Medikamente noch im Blister befinden. Da es keine bundesweit einheitlichen Vorschriften zur Arzneimittelentsorgung gibt, muss sich jeder selbst informieren. Das geht zum Beispiel hier. Ausgenommen sind Krebsmedikamente und Opiate. Diese müssen in Apotheken abgegeben und gesondert entsorgt werden.

Der Restmüll (mit o. g. Einschränkungen) sollte nur wirklich unverwertbaren Stoffen vorbehalten bleiben. In Wohnanlagen ohne Biotonne müssen aber auch Bioabfälle auf diesem Weg entsorgt werden. Unsicherheit gibt es immer wieder bei Nichtverpackungen wie Spielsachen oder Kochgeschirr. Rechtlich gesehen gehören diese Dinge nicht in den Gelben Sack, obwohl sie wiederverwertbares Material enthalten. Es gibt vereinzelt Kommunen, die Wertstofftonnen zur Verfügung stellen, in die neben Verpackungen auch Erzeugnisse aus Plastik und Metall entsorgt werden können. Ansonsten nehmen Recycling- oder Wertstoffhöfe wiederverwertbaren Müll entgegen, u. a. Sperrmüll, Schrott, Elektrogeräte, Bauschutt und Grünschnitt. Leuchtstofflampen und LEDs, Batterien, Elektrogeräte und CDs/DVDs können auch im Handel zurückgegeben/entsorgt werden. Auch auf diesem Weg gehen die wertvollen Rohstoffe nicht verloren.
An Alttextilien scheiden sich momentan die Geister. Altkleidercontainer stehen wegen schlechter Energiebilanz und negativem Einfluss auf die lokale Textilindustrie in Abnehmerländern in der Kritik. Hier gibt es bessere Alternativen, auf die wir aber in einem gesonderten Artikel eingehen wollen.

Wie effektiv ist das Ganze?

Fakt ist, dass immer noch etwa die Hälfte der im DSD gesammelten Verpackungen energetisch wiederverwertet (also zur Wärmeerzeugung verbrannt) werden. Dazu zählen z. B. Mischkunststoffe, Kleinteile und andere Dinge, die in automatisierten Anlagen nicht erkannt werden. Da ist eindeutig Luft nach oben, denn moderne Sortieranlagen trennen den Abfall recht effektiv und erkennen sogar unterschiedliche Kunststoffe. Leider sind sie aber längst noch nicht flächendeckend im Einsatz. Schon vor Jahren erkannte die Grünen-Politikerin Sylvia Kotting-Uhl: „Das Duale System hat sich so entwickelt, dass es das Umweltbewusstsein der Bürger lächerlich macht. […] Es verhindert ökologische Innovationen.“ Dennoch hält die Regierung eisern am althergebrachten System fest.

Solange sich daran nichts ändert, ist jeder Einzelne gefragt. Unsere Ressourcen sind knapp und Recycling hilft, diese wertvollen Rohstoffe zu sparen und die Müllberge nicht noch mehr wachsen zu lassen. Noch besser ist natürlich, unnötigen Abfall zu vermeiden: Elektronische Geräte und Kleidung können so lange wie möglich verwendet werden, und wer überflüssige Verpackungen vermeidet, muss auch nicht so oft den Gelben Sack entsorgen lassen.

Weiterführende Artikel

(Plastik-)Freiheit für Obst und Gemüse!
Aus den Augen, aus dem Sinn – aber nicht aus der Welt

Quellen

Grüner Punkt
Verbraucherzentrale – Tipps zur Mülltrennung und zum Recycling
NABU – Seite des Naturschutzbunds Deutschland mit vielen Hinweisen und Tipps zur Mülltrennung
Entsorgung in Großwohnanlagen
Die Zeit – Artikel zur Unsinnigkeit des Gelben Sacks
T-Online – Artikel zum Thema Strafen bei falscher Mülltrennung

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