Sky-Fall(e): Mit der Lizenz zum Gängeln

Rote Karte für Sky Q
Rote Karte für Sky Q - Disqualifikation wegen mehrfach grob unsportlichem Verhaltens (Urheber Rote Karte: Marco Verch Quelle: Flickr via Wunderstock (Lizenz), Urheber Himmel: Ashish Bogawat Quelle: Pixabay), Urheber Sky-Q-Logo: Sky, Gesamtbildkomposition: GehtSoGarNicht)

Es war einmal vor noch gar nicht allzu langer Zeit ein Bezahlfernsehsender namens Premiere. Wer ihn abonnierte, der konnte über jeden Receiver mit einem entsprechenden Kartensteckplatz Fernsehen ohne Werbeunterbrechung genießen. Die Smartcard konnte vom Kunden beliebig überall im Haushalt verwendet werden. Es war zudem uneingeschränkt möglich, Fernsehabende mit Familie oder Freunden zu veranstalten.
Zum Glück war niemand an die häufig arbeitnehmerunfreundlichen Sendezeiten von Filmen oder Sportveranstaltungen gebunden. Jeder Kunde konnte sein Lieblingsprogramm mit einem beliebigen Video- oder Festplattenrecorder aufnehmen lassen und später zu einem geeigneten Zeitpunkt ansehen.
Damals kosteten Sport- und Filmpaket jeweils 9,99 Euro, ein annehmbarer Preis für die gebotene Auswahl. Aber wie ich schon eingangs schrieb, es war einmal … Heute ist Premiere Geschichte und in die Sky Deutschland AG aufgegangen, eine Firma, die in den letzten Jahren immer deutlicher gemacht hat, dass im Gegensatz zu den Werbeversprechen (siehe unten) nur das Geld der Kunden, nicht aber deren Wünsche von Interesse sind. Von den oben dick hervorgehobenen Vorzügen ist nach 10 Jahren Sky nichts mehr geblieben.

Das neue Sky. Gemacht aus deinen Wünschen.
Wenn Sky doch nur halten würde, was die Werbung verspricht (Urheber: Sky Deutschland GmbH)
Die Sky-Paketstruktur – Nichts ist so beständig wie die Veränderung

Direkt nach der Übernahme im Juli 2009 ging die Gängelei schon los. Als erstes wurde die 2006 eingeführte kundenfreundliche und günstige Paketstruktur (siehe Heise-Artikel in den Quellen) wieder abgeschafft. Dadurch war es mit der ausschließlichen Nutzung von Sport- oder Filminhalten vorbei. Der Kunde musste zähneknirschend das Standardgrundpaket namens Sky Welt zubuchen, das natürlich zusätzliche Kosten verursachte. Es enthielt eine Reihe von Doku- und Seriensendern, brachte aber gerade Sportinteressierten keinen wirklichen Mehrwert. Wer die Zusatzsender nicht nutzte, zahlte ab diesem Zeitpunkt den doppelten Preis für ein Sport- oder Filmabonnement.
Die Abopakete sind bei Sky übrigens keine feste Größe. Sie wurden bis heute immer wieder geändert und neu zusammengestellt. Teilweise fielen bei diesen Umstrukturierungen wichtige Inhalte weg. Hier seien nur ein paar Beispiele angeführt:

  • die ganze Wrestling-Sparte – inzwischen gibt wieder einige wenige Inhalte, die aber nicht mit der Auswahl aus Premiere-Zeiten mithalten kann
  • die kompletten Pro7/Sat1-Spartensender
  • die kompletten RTL-Spartensender
  • Sky Boxsets wurden aus Sky Go ausgelagert, um für Topserien doppelt abkassieren zu können
  • 2018 gab es großen Ärger wegen des (zeitweiligen) Ausstiegs aus der Formel-1-Übertragung, für die vorher noch großartig Werbung gemacht wurde – dieser führte sogar zu einem Gerichtsurteil (siehe hier), in dem Teile der Sky-AGBs für unwirksam erklärt wurden
  • Umlagerung von Sky Atlantic aus dem Filmpaket in ein separates Sky-Entertainment-Paket, das sonst keine weiteren nennenswerten Vorteile für Nutzer des linearen Fernsehens bot

Wer nun glaubt, dass solche Einschränkungen sich in sinkenden Abonnementsgebühren bemerkbar machen, der täuscht sich gewaltig. 2016 besaß Sky sogar die Dreistigkeit, kurz nach Entfernen der Pro7/Sat1-Inhalte eine erneute Preiserhöhung durchzudrücken. Der volle Preis für das ehemalige Filmpaket (heute Cinema+Entertainment) oder Sky Bundesliga beträgt (Stand 2019) knapp 50 Euro im Monat – das FÜNFFACHE des ursprünglichen Premiere-Preises.

Besondere Vorsicht ist übrigens geboten, wenn vermeintlich preiswerte Abo-Erweiterungen beworben werden (z.B. aktuell mit Netflix). Diese haben in der Regel einen Vertragsneustart (teilweise ungünstig, wenn man gerade andere Vergünstigungen nutzt) und manchmal auch neue Aktivierungskosten und andere Gebühren zur Folge. Hier lohnt ein Abwarten bis zum Ende der Vertragslaufzeit, denn das Modell von Sky ist auf Rückholangebote ausgelegt. Wer rechtzeitig kündigt und Geduld hat, kann evtl. einen Vertrag ergattern, der sogar besser als die Lockangebote für Neukunden ist.

Einschränkendes CI+-Modul oder unmöglicher Sky-Receiver – was für Wahlmöglichkeiten
Meine Sache, was ich schaue. Und wann. Und überhaupt. Ich seh was Besseres.
Sky-Werbekampagne von 2011 (Urheber: Sky Deutschland GmbH)

Schlimmer als mit der Paketstruktur bevormundet Sky seine Kunden mit der Empfangstechnik. Dies war auch schon 2011 so, als die nebenstehende Werbekampagne mit Karl Lagerfeld lief, in der dem Kunden die maximale Fernsehfreiheit suggeriert wurde, die Sky niemals wirklich zu bieten bereit war. Zunächst gab es immer neue Verschlüsselungen und dem geschuldet neue Sky-Karten. Diese ließen sich dann nur noch in CI+-Kartenslots verwenden. Hatte man noch einen älteren Receiver, war man als Kunde gezwungen aufzurüsten.
Die Möglichkeiten von CI+ wurden daraufhin ausgenutzt, um die Aufnahme von Sendungen zu verweigern, ein Rückschritt sondersgleichen. Vorbei war es mit dem freien Fernsehen zu einer selbstgewählten Zeit, dahin auch die Möglichkeit, lange Serien in ungünstigen Modi (z. B. jeden Tag in der Woche drei Folgen am Stück) auf Festplatte zu sammeln und später langsam Folge für Folge zu genießen. Wer sich nicht den von Sky diktierten Sendezeiten unterwerfen wollte oder konnte, hatte auf einmal das Nachsehen.
Als Alternative wurde „großzügigerweise“ ein schrecklicher Spezialreceiver als Leihgerät angeboten, der nur mit Nachteilen auf sich aufmerksam machte:

  • Ursprünglich verfügte das Gerät über keinerlei oder später eine nur völlig unzureichende Festplatte (160 GB). Die einzige für HD ausreichend dimensionierte Aufnahmemöglichkeit stellte eine extra teure, zusätzlich angebotene 2-TB-Festplatte dar (ebenfalls Leihgerät).
  • Die Leihgebühren waren zu hoch. Eine Leihe mit zusätzlicher Festplatte kostete mehr als der Kauf eines technisch ausgereifteren, aktuelleren Festplattenrecorders gleicher Größe vom freien Markt.
  • Die zusätzliche Festplatte konnte nicht eingebaut werden, sondern wurde unter den Receiver montiert. Die Abmessungen der Geräte waren dadurch völlig überdimensioniert.
  • Die Geräte waren üble Stromfresser. Wer Sky Anytime nutzen wollte, musste den Receiver die ganze Nacht über Inhalte aus dem Internet laden lassen, die einen großen Teil des Festplattenspeichers blockierten und vielmals gar nicht gebraucht wurden. Diese Funktion konnte zwar abgestellt werden, aber der Grundverbrauch blieb trotzdem einfach zu hoch.
  • Für Sky Anytime blieb grundsätzlich die Hälfte des Festplattenspeichers reserviert, auch wenn es deaktiviert wurde. In diesem Fall hatte man eine effektive Kapazität von 1 TB zum Preis von 2 TB geliehen.
  • Handelsübliche Festplatten konnten nicht angeschlossen werden. Es gab keine Möglichkeiten, die Aufnahmen auf ein anderes Gerät zu sichern, um Datenverlust durch einen Defekt, einen notwendigen Plattentausch oder am Ende des Abonnements bei Rückgabe der Leihgeräte vorzubeugen.
  • Es wurden per Voreinstellung Werbescreens nach dem Starten des Receivers angezeigt.
  • Sky hatte über diese Geräte die Möglichkeit, Kunden zu überwachen, zu kontrollieren und laut AGB sogar nach Belieben einzuschränken. Es konnten z. B. ohne Kontrolle durch den Kunden Updates eingespielt und Inhalte entfernt werden, aber auch der Spionage und dem Erheben von Nutzerdaten stand nichts im Wege (dazu später mehr).
  • Weitere Nachteile, gerade was Qualität und Bedienung anbelangt, finden sich in diesem Facebook-Post zusammengefasst. Sie würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. (Hinweis: Diese Nachteile wurden persönlich nicht getestet, da ich dieses Gerät nie besessen habe.)
Zwangshochzeiten sind doch verboten oder?

Schon kurze Zeit später warf ein weiteres Großereignis seine Schatten voraus. Gerüchte kursierten von einer „Hochzeit“, aber diesmal waren keine Königskinder oder sonstige Prominente involviert, vielmehr verheiratete Sky nach und nach die Smartcards mit den entsprechenden Empfangsgeräten (der Fachbegriff dafür lautet Pairing). Die Karte konnte fortan nur noch an der IP-Adresse betrieben werden, für die sie ihre Freischaltung erhalten hatte. Damit sollte das illegale Cardsharing (Verteilung von Decoderschlüsseln und gleichzeitige Verwendung einer Karte in mehreren Receivern) verhindert werden. Leider schadete diese Änderung aber auch vielen ehrlichen Nutzern. Konnte man vorher noch problemlos zwischen mehreren Empfangsgeräten im Haushalt hin und her wechseln – je nachdem, wo man gerade Sky schauen wollte – mussten plötzlich teure Zweitkarten bestellt werden.

Sicherlich sind Hacker und Schwarzseher für Sky ein größeres Problem, dem sie auf irgendeine Art und Weise Herr werden wollen. Wenn man sich aber im Internet in diversen Foren umschaut, dann lassen sich diese Gruppen nicht allzu lange ausbremsen. Jede neue Verschlüsselung ist nur eine Herausforderung und kurze Zeit später wieder geknackt. Effektiv schadet das „Wettrüsten“ also nur den ehrlichen Kunden, die den Eindruck bekommen, unter Generalverdacht zu stehen, und sich immer neue Schikanen gefallen lassen müssen. Außerdem dürfen sie den Ausbau der nächsten „Rüststufe“ mit ihren Gebühren mitfinanzieren. Es ist nicht erstaunlich, dass viele bislang unbescholtene Kunden sich irgendwann nicht mehr einschränken lassen wollen und ebenfalls auf Hackhardware zurückgreifen, nicht um Filme illegal zu verbreiten, sondern um ihre gewohnte Funktionalität weiterhin nutzen zu können. Sky schießt sich also letzten Endes mit seinen Sicherungsmechanismen ins eigene Knie.

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